Engelsaga 

 

 

 

 

 

 

     

1        2        3        4        5        6        7        8        9

 

     

schleppte all meine Freunde - ob sie nun wollten oder nicht - mindestens zweimal im Jahr in ein Museum, eine Kirche oder zu sonst einer Sehenswürdigkeit. Hier, mitten im Wald, auf so ein interessantes Objekt zu stoßen, damit hatte ich nicht gerechnet. Natürlich zögerte ich nicht - noch konnte ich genügend sehen.

   Wie auf Kommando erhoben sich Hunderte schwarzer Krähen gleichzeitig in die Luft, als ich auf den Pavillon zusteuerte. Ich fühlte den gespenstischen Hauch ihres Flügelschlags als Kribbeln auf meiner Haut, noch bevor ihr grelles Krächzen in meinen Ohren dröhnte. Mir wurde schwindelig. Alles in mir drängte wegzurennen, warnte mich weiterzugehen, doch meine Neugier siegte - zumal ich nicht mehr allein war.

   Helle gewellte Locken, scharfgeschnittene Gesichtszüge und gefährlich sanft geschwungene Lippen. Er stand neben dem Pavillon und starrte gedankenverloren auf den See. Selbst als der eisige Wind durch sein weißes Hemd fuhr, so dass sein Körper sich darunter abzeichnete, rührte er sich nicht.

   Mir hingegen stockte der Atem: perfekt!

   Der durchdringende Schrei einer Krähe riss mich aus meiner Betrachtung. Im  Sturzflug  stieß  sie  herab. Ein  Gewirr  aus  Federn, scharfen  Klauen  und

 

  schwarzen Flügeln schoss auf mich zu, verfing sich in meinen langen Haaren und versuchte vergeblich, sich zu befreien.

   Ich schrie erschrocken auf, schlug nach der Krähe, riss meine Haare aus ihren Fängen und wehrte den aufgeregt flatternden Vogel ab, während ich in den Schutz eines überhängenden Gestrüpps flüchtete. Gleich zwei Mal an einem Tag von durchgedrehten Tieren attackiert zu werden, war mindestens einmal zu viel!

   Als ich vorsichtig wieder aus meiner Deckung hervorkroch, war er verschwunden - noch so ein eingebildeter Kerl, der sich zu fein war, mir zu helfen! Solche Typen schien es hier wie Sand am Meer zu geben. Schönheit kommt mit Arroganz traf da eindeutig zu.

   Inzwischen war es fast dunkel. Ich fühlte leise Panik in mir aufsteigen. Herr Sander hatte mich gewarnt, abends allein in den Wald zu gehen. Sumpfige Moorlöcher konnten schnell zu einer gefährlichen Falle werden. Außerdem gab es in der Gegend Wildtiere: Rehe, Wildschweine und seit kurzem sogar wieder Wölfe. Und ich traute den Beteuerungen nicht, dass Wölfe völlig harmlos waren - zumindest wollte ich keinem bei Nacht begegnen.

 

Wenn ihr wissen wollt, wie's weitergeht, hört einfach in das Kapitel 2 rein.

 

17

 

 

18

 

 
1        2        3        4        5        6        7        8        9
 
 

 

 


Home        Bücher        Neues        Über uns        @ Blog


Impressum          (c) Jessica & Diana Itterheim