Engelsaga 

 

 

 

 

 

 

     

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Schreibtisch, auf dem neben einem Telefon und einer ledernen Schreibmappe nurein auffallend roter Ordner lag, wirkte geradezu zierlich angesichts ihrer beeindruckenden Körpergröße.

   „Hallo Linde. Schön, dich kennenzulernen. Konntest du in deinem neuen Zimmer gut schlafen?“

   „Ja, wie eine Prinzessin“, antwortete ich - immerhin hatte ich ein Himmelbett in einem Schloss. Und dass ich schon in der ersten Nacht von Albträumen verfolgt wurde, brauchte sie ja nicht zu wissen.

   Frau Germann schaute irritiert auf mich herab und strich sich mehrmals über den Rock ihres marineblauen Kostüms, bevor sie ihre rahmenlose Lesebrille zurechtrückte und mich aufforderte, Platz zu nehmen. Anscheinend hatte ich sie aus dem Konzept gebracht.

   „Schön, … dann können wir ja anfangen. Am besten erkläre ich dir zuerst, welche Räume du wo findest, bevor wir den Lernstoff der einzelnen Fächer durchgehen, damit du weißt, was du nachholen musst.“

   Ich unterdrückte den Seufzer, den das Wort nachholen bei mir auslöste, und betrachtete das Luftbild, mit dessen Hilfe Frau Germann mir die verschiedenen Gebäude erklärte. Neben dem Schloss gab es eine Sporthalle mit einem Kunstrasenplatz, mehrere Wohntrakte für die Unter- und Mittelstufe,  natürlich die üblichen Klassen-  und Fachräume sowie das Gelbe

 

Haus, das die Schlafräume der Mädchen meiner Klassenstufe und die Kantine beherbergte.

   Schließlich legte Frau Germann den roten Ordner in die Mitte des Tisches und öffnete ihn geradezu ehrfürchtig langsam. Für jedes Fach war fein säuberlich aufgelistet, was ich wissen musste. Nach zwei quälenden Stunden intensiven Verhörs fragte ich mich, wo oder eher ob ich mit dem Lernen überhaupt anfangen sollte.

   „Die Schulbücher findest du in deinem Spind. Den Schlüssel und die

Materialliste gibt dir Herr Sander. Undvergiss nicht, morgen deine Lernliste im Sekretariat abzuholen! Bis dahin habe ich sie fertig.“ Frau Germanns strengen, stets wachsamen Gesichtszügen war abzulesen, dass sie nicht akzeptieren würde, wenn ich mich weigerte, ihren Plan bis Ferienende durchzuarbeiten.

   „Und falls du deinen Eltern kurz Bescheid sagen möchtest, dass du gut angekommen bist, kannst du jetzt von meinem Apparat aus telefonieren. Oder du rufst nächsten Freitag an, der ist für die K1 reserviert - außer bei Notfällen natürlich. Bis das Sekretariat schließt, kannst du dort das Telefon benutzen. Mit dem Handyempfang ist es hier nämlich ein bisschen schwierig. Da musst du schon zur Meierei hoch oder ins Nachbardorf laufen, wenn du eine gute Verbindung haben möchtest. Dort bekommst du auch Handykarten.

 

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