Lynns Suche nach ihrer großen Liebe führt sie ins Schloss der Engel, wo sie Christopher begegnet - einem Racheengel. Nach anfänglichen Reibereien verliebt sie sich in den scheinbar anmaßenden und allzu selbstgefälligen Mister Perfect, der ihr die kalte Schulter zeigt.

Doch Lynns Erscheinen in Christophers Welt weckt nicht nur sein, sondern auch das Interesse der anderen, der gefährlichen Seite des Universums der Engel. Zwei mächtige Wesen, die Totenwächterin - Hüterin der verstorbenen Seelen - und Sanctifer - ein dunkler Wächterengel - verstricken Lynn bei ihrem diabolischen Kampf um Einfluss und Macht in ihr unheilbringendes Spiel. Und Christophers Entscheidung, sie vor beiden zu schützen, verlangt mehr von ihm, als er bereit ist zu geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Engelsaga 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

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Einer meiner schlimmsten Albträume ging heute in Erfüllung - nicht, dass ich von Monstern gejagt oder in Flammen aufgehen sollte. Mich erwartete eine besondere Art der Folter. Der Höhepunkt meiner Schulkarriere: Abitur in meiner alten Heimat - so jedenfalls sahen es meine Eltern. Ein abseits menschlicher Zivilisation gelegenes Internat, das mit den guten Noten seiner Schüler warb. Was nichts anderes heißen konnte als: Bei uns wird gepaukt statt gepostet.

   Genervt stopfte ich meinen dicken Winterpulli tiefer in den prall gefüllten Reiserucksack und zog ein weiteres Mal an dem Zipper. Er schien genauso wenig begeistert zu sein wie ich.

   „Bist du endlich fertig, Linde? Wenn du so weitertrödelst, kommen wir noch zu spät zum Flughafen!“

   Linde! Konnte meine Mutter mich nicht wenigstens heute Lynn nennen, wie alle anderen? Bestimmt hatte sie im Anmeldeformular meinen richtigen Namen angegeben. Ein weiterer Grund nicht abzureisen: Linde?! Wurdest du etwa unter einem Baum gezeugt? Die spöttischen Kommentare konnte ich schon hören.

   Mit aller Kraft zerrte ich an dem störrischen Verschluss - er blieb, wo er war. Warum konnte ich nicht bleiben? Was hatte ich verbrochen, um verbannt zu werden? Ausgerechnet jetzt, da mein bester Freund seinen Führerschein und einen fahrbaren Untersatz besaß?

 

  Zugegeben, ich hatte meine Eltern angefleht, mich wenigstens auf ein Internat nach Deutschland zu schicken, wenn ich schon zur Schule musste - vor fünf Jahren, als sie den Sitz ihrer Taschenfirma verlegt hatten und Italien noch fremd für mich war. Als ich mir wünschte, dass alles wieder so werden sollte wie vor unserem Umzug. Klar hatte ich mich über meine neuen Lehrer beklagt. Und über das marode Schulgebäude. Aber welcher halbwegs normale Schüler tat das nicht? Vielleicht wäre es auch klüger gewesen, alle ausgefallenen Stunden in der Stadt zu verbummeln, anstatt nach Hause zu fahren.

  Dass auf dem Internat alles besser sein sollte, bezweifelte ich - auch wenn es sich um ein Schloss an einem See handelte. Ich war sechzehn und glaubte nicht mehr daran, eines Tages Prinzessin zu werden.

   Der Reißverschluss gab endlich nach. Ich schulterte den schweren Rucksack, zerrte meine Haare unter den Schulterriemen hervor und betrachtete ein letztes Mal mein Zimmer – meine Schutzzone für Notfälle -, bevor ich mit einem leisen Seufzer die Tür hinter mir zuzog. Das Schlimmste hatte ich bereits hinter mich gebracht, den Abschied von meinen Freunden, für die ich schon lange nicht mehr die tedesca – die Deutsche - war. Doch in ein paar Stunden würde ich wieder die Neue sein. Dort würde es keine Nanny geben, die ihren Neffen verpflichtete, sich um mich zu kümmern: Philippe - heute mein ältester und bester Freund.

 

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